Bei viel Regen, Wind und Sonne wurde an diesem Wochenende auf dem Ruhr-Bogen in Essen-Kettwig um die Titel bei den 30. Deutschen Sprintmeisterschaften gerudert. Der Crefelder Ruder-Club war mit Medaillen in zwei Bootsklassen erfolgreich – Gold gewann der Junior-Doppelzweier und Silber ging an den Männer Vierer-mit-Steuermann.
350m mit Vollgas
Insgesamt hatten 266 Boote zur diesjährigen Sprintmeisterschaft in Esse-Kettwig gemeldet. Die Mannschaften gingen in den 42 Entscheidungen des Wochenendes schon in Vor- und Hoffnungsläufen und den Halbfinals mit Vollgas auf die 350m kurze Strecke auf der Ruhr. Bereits am Freitag hatten die Veranstalter den Zeitplan bis in den Abend mit allen Vorläufen für die Rennen des gesamten Wochenendes gefüllt. Das bedeutete für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen langen und harten Wettkampftag mit zum Teil mehreren Vorentscheidungen. Die sportlich anspruchsvolle Situation mit einer Vielzahl von Rennen und Bootsklassenwechseln wurde durch den anhaltenden und zum Teil kräftigen Dauerregen noch einmal anspruchsvoller. CRC-Cheftrainer Markus Wöstemeyer sagte dazu: „Das ist für uns alle eine wirklich schwierige Situation. Bei vielen Stunden Regen hast du irgendwann auch nichts trockenes mehr, was du noch anziehen kannst. Der einzige trockene Ort ist das Mannschaftszelt. Aber in einer Freiluftsportart sind wir dem Wetter einfach ausgeliefert. Wir müssen auch die Rennvorbereitung verkürzen, weil die natürlich auch draußen im Boot auf dem Wasser stattfindet.“ Ein Einsehen hatte der Wettergott dann aber doch noch. So hörte es am späten Freitagabend endlich auf zu regnen und über die beiden Finaltage am Samstag und Sonntag ergossen sich nur noch wenige Schauer. Dafür frischte der Wind merklich auf und stand als seitlicher Gegenwind in der Regattastrecke. Schwierige Bedingungen für die Sportlerinnen und Sportler. Der Seitenwind macht es schwer die Boote exakt in den schmalen Bahnen zwischen den Bojenketten zu halten und die Stärke des Windes baut eine unangenehme Welle auf.
Die Goldfahrt des Junior-Zweiers

Junior-Doppelzweier: Hombergs, Trupke (v.l.n.r.)
Kenner der Szene hatten Jan Trupke und Matthias Hombergs sicherlich schon auf dem Zettel, wenn es darum ging die Favoriten für den Titel im Junior-Doppelzweier der Altersklasse U17 auszumachen. Hatten die beiden auf der Sprintstrecke doch im Vorjahr bereits Silber gewonnen und am Wochenende vor der Deutschen Sprintmeisterschaft in Kettwig die Landesmeisterschaft in eben dieser Bootsklasse für sich entschieden. So war es auch keine Überraschung, dass Trupke und Hombergs mit dem Vorlaufsieg im zweitgrößten Feld der Meisterschaft den Direkteinzug ins Halbfinale klar machten. Auch das Halbfinale war letztendlich eine sichere Beute für das Duo vom Niederrhein. Auch wenn Trainer Markus Wöstemeyer, kurz erschrocken, dem Renngeschehen zur Streckenhälfte nicht mehr zusehen wollte. Auf den engen, durch Bojenketten abgegrenzten Bahnen, waren Trupke und Hombergs bedenklich nah an die Bojen herangefahren und berührten diese schließlich auch. CRC-Trainer Wöstemeyer war die Spannung anzumerken: „Ich hatte gesehen, dass die Blätter sehr dich neben den Bojen ins Wasser tauchten. Das ist eine sehr gefährliche Situation. Wenn du in so einer explosiven Disziplin wie dem Sprint eine Boje mit dem Blatt voll triffst, kann es sein, dass dir das Skull einfach aus der Hand fliegt. Dann ist das Rennen vorbei.“ Glücklicherweise streiften die Ruderblätter die Bojen nur und mit zwei, drei Schlägen hatten die CRC-Jungs die Situation wieder unter Kontrolle. Der souveräne Halbfinalsieg war ihnen damit nicht mehr zu nehmen. Das dritte Rennen – das Finale – hielt wieder eine neue Herausforderung bereit. Der Vorlauf im Dauerregen, das Halbfinale mit kräftigem Gegen- und Seitenwind und schließlich das Finale mit ungewohnten Sichtverhältnissen im Dunklen unter Flutlicht. In diesem Finale wollten Hombergs und Trupke ihren Gegnern möglichst keine Geschenke machen. So starteten die beiden fulminant und setzen sich sofort an die Spitze des Feldes. Zur Streckenhälfte hatten sie bereits einen Vorsprung von fast einer Bootslänge. Auch wenn das am Ende zweitplatzierte Boot aus Pirna noch etwas aufschließen konnte, war es ein dominanter Start-Ziel-Sieg für die Krefelder.
Neun Finals und Silber für den Männer-Vierer-mit

Männer-Vierer-mit II: Hattstein, Stf. Lülfing, Lebede, Melka, Naß (v.l.n.r.)
Nach dem Sieg des Zweiers am Samstagabend im Flutlichtfinale sollte am zweiten Finaltag auf jeden Fall noch eine weitere Medaille für den Crefelder Ruder-Club herausspringen. Wie eng das werden würde hatte Trainer Markus Wöstemeyer bereits erfahren müssen. Mit insgesamt fünf vierten Plätzen waren bereits einige Boote des CRC denkbar knapp an den Medaillenrängen gescheitert. Besonders knapp hatte es den Frauenachter (Marisa Staelberg, Pia Renner, Lena Giesing, Louisa Heinermann, Michelle Conrad, Shira Brinitzer, Johanna Esser, Annika Beißel, Stf. Mia Wegele) erwischt, der mit einer Winzigkeit von zwei Hundertstel Sekunden an der Bronze- Medaille vorbeigeschrammt war. Auch auf Silber fehlte nur eine Zehntel Sekunde. Das zeigt, wie eng es um die Medaillen werden kann. Bereits vor dem Achter-Finale hatten Marisa Staelberg und Pia Renner im Mixed-Doppelvierer zusammen mit Niklas Lebede und Hendrik Klose im äußerst engen Kampf um Platz drei das Nachsehen. Kurz vor der Ziellinie blieben sowohl die Krefelder, wie auch die Konkurrenten im Kampf um eine Medaille aus Gelsenkirchen nahezu zeitgleich mit den Ruderblättern im Wasser hängen, so dass das bis dato im Rennen an fünfter Stelle liegenden Boot aus Bochum die Medaille einheimsen konnte.
Die ersehnte Medaille holte das bis dahin eher glücklose Männerteam des CRC. Hatte es im Achter unerwartet und im Doppelvierer letztendlich klar nicht für den Finaleinzug gereicht, stand der gesteuerte Vierer mit Michael Naß, Niklas Lebede, Larus Melka, Lambert Hattstein und Steuerfrau Anna Lülfing im Finale. Bei kräftigem Gegenwind, aber immerhin ohne Regen, erwischte der Krefelder Vierer einen guten Start und lag bereits zur Streckenhälfte auf Rang zwei. Aber sowohl der Abstand nach vorne, wie auch der nach hinten waren äußerst gering. Am Ende gingen die Boote genau so über die Ziellinie, wie sie sich in der Startphase sortiert hatten: Osnabrück vor Krefeld vor Hameln. Vierer-Schlagmann Naß freute sich sichtbar über die zweite Medaille des Wochenendes: „Die Jungs hinter mir haben das super gemacht. Wir hatten den vollen Fokus auf das Rennen und sind mutig losgefahren. Hinten raus hat es dann auch endlich mal für uns gereicht.“
Als letztes Finale des Wochenendes stand noch der Juniorinnen-Achter auf dem Programm. Auch hier durften die CRC-lerinnen mit einer Medaille liebäugeln. Der Rennverlauf begann entsprechend verheißungsvoll. Auf Platz drei liegend passierte der CRC-Achter die Streckenhälfte, allerdings auch mit den gewohnt knappen Abständen zur Konkurrenz. Am Ende reichte es dann wieder einmal nur für Platz vier – mit einem Rückstand von knappen drei Zehntel Sekunden auf den Bronzemedaillengewinner aus Minden. CRC-Cheftrainer Wöstemeyer konnte dem Rennen dennoch Positives abgewinnen: „Das war ein wirklich gut gerudertes Rennen. Die Mädels haben sich gut vorbereitet und das Maximum rausgeholt. Wir müssen akzeptieren, dass wir wieder einmal denkbar knapp an der Medaille vorbeigeschrammt sind. Allerdings muss ich zugeben, dass das mit dem jetzt insgesamt fünften vierten Platz und dem Patzer im Mixed-Vierer etwas schwerfällt. Wir standen in neun Finals und haben zwei Medaillen geholt. Statistisch hätten das fünf sein dürfen…“
Letzte Meisterschaft beschließt die Saison 2026
Die Deutsche Sprintmeisterschaft ist die letzte Meisterschaft des Jahres und so endet das Regattajahr 2026 im Rudersport. Direkt im Anschluss beginnt das Vorbereitungstraining auf das Jahr 2027, das seine Schatten schon Ende November mit dem Ergometer- und Langstreckentests in Dortmund und Leipzig vorauswirft.
Markus Wöstemeyer (Crefelder Ruder-Club)

